Vom 06.09.1992

Bild WartburgDie moderne Formulierung des hippokratischen Eides im „Genfer Gelöbnis“ von 1948 forderte unter dem Eindruck des Mißbrauches der Medizin von jedem Arzt „die äußerste Achtung vor dem menschlichen Leben von der Empfängnis bis zu seinem natürlichen Tod“. Davon rückte, zunächst im Verborgenen und dann in aller Öffentlichkeit, eine Minderheit von Medizinern ab. Sie wurde aber nicht etwa aus der verfaßten Ärzteschaft ausgeschlossen, sondern zunehmend geduldet, ja sogar unter einem falsch verstandenen Kollegialitätsgebot verteidigt. Der Anspruch auf Kollegialität setzt aber das gemeinsame Ziel der Lebens-Erhaltung voraus.

Inzwischen hat ein großer Teil der verfaßten Ärzteschaft, der ärztlichen Berufsorganisationen sowie der Dekane, Lehrstuhlinhaber und Lehrer der Medizinischen Fakultäten in den Europäischen Ländern, unter dem Druck der Regierungen, Parlamente sowie der Massenmedien, durch ihr offenes oder stillschweigendes Einverständnis, den 2400 Jahre alten hippokratischen Grundsatz, „niemals absichtlich zu schaden oder gar zu töten“, aufgegeben. Für die offiziellen Ärztekammern und Gremien sind die Gelöbnisse und damit ihre Berufsordnungen zur Makulatur geworden.

Eine tötende und Leben verhindernde Ärzteschaft bedeutet aber eine tödliche Gefahr für alle Wehrlosen. Approbierte Mediziner, die töten, sich zum Töten hergeben oder vom Töten leben, sehen wir mit Hufeland als „die gefährlichsten Menschen im Staate“ an. *Am historischen Ort der Wartburg erneuern wir in der Verantwortung vor Gott und unserem Volk unser Gelöbnis:

Nach bestem Wissen und Gewissen werden wir unseren ärztlichen Beruf getreu der hippokratischen Tradition ausüben. Wir werden deshalb:

  • das Leben jedes Menschen von der Empfängnis an bis zum natürlichen Tod als unantastbar achten und schützen,

     
  • niemals einer Schwangeren ein abtreibendes Mittel geben,

     
  • das Leben der uns anvertrauten Menschen erhalten und uns nicht das Recht anmaßen, über Leben und Tod unserer Patienten zu entscheiden.

Wir werden alles tun, um den unheilbaren Patienten in ihrem Schmerz zu helfen und die Sterbenden zu begleiten, sie aber niemals töten oder ihnen zur Selbsttötung verhelfen.Wir wollen unser Bestes tun, indem wir uns einsetzen für menschengerechte und menschenwürdige Lebensbedingungen auch zwischen den Generationen und Geschlechtern sowie eine für den Menschen und seine körperliche und seelisch-geistige Gesundheit gedeihliche Umwelt.

Wir werden entschieden Widerstand leisten gegen alle verfassungs- und berufsordnungswidrigen „Gesetze“, die das Recht auf Leben sowie die Menschenwürde verletzen und den Arzt zum Gesundheits- und Tötungsfunktionär degradieren. Von solchen Medizinem distanzieren wir uns und fordern alle Ärzte auf, sich mit uns für die Wiederherstellung des hippokratischen Arzttums einzusetzen.


Hintergrundinfos zum Wartburger Manifest

Vom 4.- 6. September 1992 fand in Friedrichroda bei Eisenach eine Arbeitstagung der beiden Ärzteverbände „Europäische Ärzteaktion“ und „Ärzte für das Leben“ statt, zusammen mit verschiedenen Lebensrechtsvereinigungen. Es ging dabei um einen Erfahrungs- und Gedankenaustausch, sowie Strategieplanung der Lebensrechtsbewegungen, insbesondere auch der Ärzte nach der skandalösen Bundestagsentscheidung vom 26. 6. 1992.

Die Vorstände der beiden Ärzteverbände

  • übten scharfe Kritik am Verhalten der ärztlichen Standesorganisationen, insbesondere der Bundesärztekammer. Denn die Zerstörung der ärztlichen Standesethik durch den Staat und den „Gesetzgeber“ erfolgte unter schweigender Billigung der verantwortlichen Ärztefunktionäre.

     
  • fanden es unerträglich, daß die Ärztekammem und einige freie Ärzteverbände sich zwar vehement zu Wort melden, wenn es um Honorare geht, aber keinen Finger rühren, wenn das Arzttum und das gesamte Gesundheitswesen in seinen geistig-moralischen Fundamenten angegriffen und zerstört werden.

     
  • verwahren sich dagegen, daß durch lebensfeindliche Gesetze von orientierungslosen Politikerinnen und Politikern der ausschließliche Heilungsauftrag der Ärzte zum Tötungsauftrag pervertiert wird und dadurch Leben und Zukunft des ganzen Volkes bedroht werden.

     
  • stellen fest, daß das Bundesgesundheitsministerium keinerlei moralische Berechtigung hat, Kürzungen an ärztlichen Leistungen oder an Medikamenten vorzunehmen, solange die Massentötung ungeborener Kinder von allen Versicherten durch ihre Krankenkasse finanziert werden müssen und junge Mädchen vom Staat zur frühzeitigen Aufnahme sexueller Beziehungen ermuntert werden durch die Kostenübernahme für die „Pille“ und die Embryoneneinnistung verhindernde Mittel und dafür Ärzte und Pharmazeuten Handlangerdienste leisten sollen.

Als Ausdruck der entschiedenen Ablehnung der Gesetzgebung des Deutschen Bundestages, die die Ärzte erneut zu Gesundheits- und Tötungsfunktionären einer Konsum- und Wegwerfideologie degradiert, und der Enttäuschung über das völlige Versagen der ärztlichen Standesorganisationen, verfaßten die versammelten Ärztinnen und Ärzte ein Manifest in Form eines feierlichen Gelöbnisses, in dem sie sich u. a. von allen Medizinern distanzieren, die unter Mißachtung ihres Berufsauftrages menschliches Leben töten.

Das dieser Presseerklärung beiliegende Ärzte-Gelöbnis wurde zum Abschluß der Arbeitstagung am 6.9.1992 nachmittags auf der Wartburg in feierlicher Form durch den Präsidenten der „World Federation Of Doctors Who Respect Human Life“ (Weltföderation der Ärzte, die das menschliche Leben achten)*, Dr. med. Karel Gunning, Rotterdam, der Öffentlichkeit übergeben und von den anwesenden Ärztinnen und Ärzten als Gelöbnis mitvollzogen. *) Zu dieser Weltärzteorganisation bekennen sich inzwischen ca. 350.000 Ärztinnen und Ärzte in 61 Ländern.[Stand 1992] Die beiden Ärzteorganisationen rufen alle Kolleginnen und Kollegen, die das Töten von Menschen durch Abtreibung und Euthanasie nach wie vor als standes- und verfassungswidrig ansehen, zur öffentlichen Selbstverpflichtung auf.

Die Ärzteschaft sollte sich erneut eindeutig zu dieser Grundlage allen ärztlichen Handelns gegen alle Versuche, die ärztliche Kunst zu mißbrauchen, bekennen.

Europäische Ärzteaktion e.V.                 Ärzte für das Leben e.V.