27.11.18: Angeblich erste genmanipulierte Zwillinge in China geboren

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27.11.18: Angeblich erste genmanipulierte Zwillinge in China geboren2018-11-29T12:41:05+00:00

27.11.18: Angeblich erste genmanipulierte Zwillinge in China geboren – Deutscher Ethikrat verurteilte die Anwendung von Keimbahneingriffen als ethisch nicht vertretbar

In China sind laut diversen Medienberichten vom 26.11.18 zwei mittels Keimbahneingriffs genetisch veränderte Mädchen geboren worden. Bei den Kindern soll es sich um Zwillinge handeln, die im Embryonalstadium mit der Genschere Crispr/Cas9 behandelt wurden. Ziel des Eingriffs war die Veränderung eines Gens für einen Rezeptor im Immunsystem, die Schutz vor einer HIV-Infektionen verleihen kann.

Der Keimbahneingriff unter dem Forschungsleiter He Jiankui von der Universität in Shenzhen habe die beiden Mädchen resistent gegen HIV gemacht, hieß es. Unklar ist, ob diese Meldungen wirklich wahr sind. Bisher sind nur die Aussagen des Forschers bekannt, aber es gibt noch keine geprüfte wissenschaftliche Veröffentlichung zu den Eingriffen. He Jiankui habe den Versuch aber in einem chinesischen Register für klinische Tests eingetragen. Die Chinessische Regierung hat unterdessen eine Untersuchung des Falles angeordnet.

Ärzte für das Leben: Kritik der Medien und vieler Wissenschaftler nicht glaubwürdig

„Das interessante an diesem Bericht ist nicht die Tatsache an sich, denn es war nur eine Frage der Zeit, bis diese Technologie beim Menschen angewendet wird, auch wenn der vorliegende Bericht sind nicht bestätigen lässt. Viel interessanter ist die Kritik, die von den meisten Medien und vielen Wissenschaftler geäußert wurde. Denn hier ist der Sündenfall bereits vor lange Zeit geschehen, als im Rahmen der vorgeburtlichen Diagnostik das Konzept akzeptiert wurde, dass es Menschen verschiedener Güteklasse gibt und dass es sogar akzeptabel ist, Menschen die bestimmten Standards nicht erfüllen vor ihrer Geburt zu entsorgen“, sagte Prof. Paul Cullen, 1. Vorsitzender von Ärzte für das Leben e.V. in einer Pressemitteilung vom 27.11.18.

„Wer diese Logik akzeptiert, muss auch mit der Vorstellung leben, dass Versuche, das Erbgut des Menschen gezielt zu „verbessern“ moralisch nicht zu beanstanden sind. So wirkt die Empörung vieler Kritiker etwas heuchlerisch. Diese Einschätzung ist übrigens unabhängig davon, ob solche „Verbesserungsversuche“ sich nicht am Ende als utopisch erweisen“, so Cullen.

„Entweder ist der Mensch vom ersten Moment an prinzipiell unverfügbar, oder er ist Spielball solcher Optimierungsversuche, entweder durch Selektion oder durch Genschere. Alles andere ist inkonsequent und mit der Würde nicht vereinbar.“

Deutscher Ethikrat verurteilte die Anwendung von Keimbahneingriffen als ethisch nicht vertretbar

Der Deutsche Ethikrat verurteilte die Anwendung von Keimbahneingriffen als „derzeit ethisch nicht vertretbar“. Wie der Ethikrat in einer Pressemitteilung ausführte, kann der auch als Genome-Editing bezeichnete Einsatz neuer gentechnischer Methoden wie CRISPR/Cas9 an Embryonen oder Keimbahnzellen Gene dauerhaft und potenziell in allen Körperzellen verändern. Die Veränderung wird auch an spätere Nachkommen vererbt. Bislang seien solche Keimbahneingriffe allerdings nur in Tierversuchen und – im Ausland – auch in Experimenten mit menschlichen Embryonen vorgenommen worden.

Bislang war eine klinische Anwendung des Genome-Editings an menschlichen Embryonen international einhellig allein aus Sicherheitsgründen klar abgelehnt worden, so der Ethikrat . Denn die Technik sei noch nicht weit genug entwickelt, um eine ausreichend sichere und effektive Wirkung des Eingriffs in allen angesteuerten Zellen des sich entwickelnden Organismus zu gewährleisten.

Darüber hinaus gebe es erheblichen ethischen und gesellschaftlichen Klärungsbedarf, ob und unter welchen Umständen Eingriffe in die menschliche Keimbahn überhaupt zu rechtfertigen sind. Der Deutsche Ethikrat hatte zu diesem Thema im September 2017 in einer Ad-hoc-Empfehlung einen globalen politischen Diskurs und eine internationale Regulierung gefordert. Derzeit erarbeitet der Rat laut Mitteilung eine ausführliche Stellungnahme zu diesem Thema.

Einsatz von Genome-Editing am menschlichen Embryo zum jetzigen Zeitpunkt in keiner Weise zu verantworten

„Der Einsatz von Genome-Editing am menschlichen Embryo ist zum jetzigen Zeitpunkt und beim derzeitigen Stand der Technik in keiner Weise zu verantworten, erst recht nicht ohne einen dringenden medizinischen Grund“, sagte Peter Dabrock, der Vorsitzende des Deutschen Ethikrates. „Die hier angeblich behandelten Embryonen hätten sich auch ohne einen solchen Eingriff zu gesunden Menschen entwickeln können. Die Menschheit muss ein Mitspracherecht haben. Immerhin handelt es sich um einen Eingriff in die biologische Grundlage des Menschen. Er betrifft ja nicht nur einen Einzelnen, sondern potenziell alle seine Nachkommen. Kurzum: Bei den Experimenten handelt es sich um unverantwortliche Menschenversuche. Die Politik muss sich auf globaler Ebene endlich des Themas annehmen.“

Die Medizinethikerin Alena Buyx, Sprecherin der mit dem Thema Keimbahneingriffe befassten Arbeitsgruppe des Deutschen Ethikrates, kritisiert das Vorgehen ebenfalls: „Eine derart vorschnelle Anwendung widerspricht allen etablierten Maßstäben der Forschungsethik. Die gesundheitlichen Risiken für die so behandelten Mädchen konnten nicht ausreichend abgewogen werden. Zudem scheint auch noch unklar, ob die Eltern überhaupt wahrheitsgetreu aufgeklärt wurden, in welche Studie sie einwilligen.“

Die Veröffentlichung der behaupteten Forschungsergebnisse in einer wissenschaftlichen Fachzeitschrift steht noch aus. Der Deutsche Ethikrat wird seine Stellungnahme zum Thema Keimbahneingriffe mit ethischen Analysen möglicher Anwendungsszenarien voraussichtlich in der ersten Hälfte 2019 veröffentlichen.

Weitere Informationen:

About Lulu and Nana: Twin Girls Born Healthy After Gene Surgery As Single-Cell Embryos
Video des Forschers auf youtube, veröffentlicht am 25.11.18

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29.09.17: Deutscher Ethikrat: Internationaler politischer Diskurs zu Keimbahninterventionen beim Menschen erforderlich

Zur ÄfdL-Rubrik Genomediting / Crispr-Cas9